Blogger Relations oder weshalb Journalisten sich nicht an ihren Kodex halten – Der Schlussstrich

Geschrieben am Allgemein

Jährlich und pünktlich zum Sommerloch wird das Thema der kaufbaren Blogger oder anders ausgedrückt „Blogger Relations“ wieder aufgegriffen. Ob es reine Langeweile, eifersucht oder ein Versuch ist, die Klickzahlen neben #Gerrigate, #Nacktselfies und sonstigen Journalistischen Räuberjagten nach Velodieben zu erhöhen, ist unklar. Was sicher ist, es führt immer wieder für Gesprächsstoff, Streitereien und langweilige vergleiche zwischen Bloggern und Journalisten.

Nachdem ich doch schon einige Diskussionen darüber geführt habe, wollte ich mich bei dem ganzen Search.ch Thema ganz und gar raushalten, was mir dann nicht geling und zu der Diskussion am Barcamp führte und dem darauf folgenden Manifest für Blogger.

Was viele nicht sehen, ist der Zeitaufwand welcher dahinter steckt. Am liebsten möchte jeder Blogger, Twitterer und Journalist direkt eine Antwort auf seine Frage, Kritik oder seines Lobes, doch das geht leider nicht, da ich mit meinen 24 Jahren mein Geld nicht mit Bloggen und Debattieren verdiene.

Mit folgendem Beitrag versuche ich fakten zusammenzutragen und für mich persönlich einen Schlussstrich über dieses wohl nie endende Thema zu ziehen.

 

Bloggen ist ein Hobby

Diese Tatsache wird einige wohl überraschen, doch eigentlich ist es so (ausgeschlossen Firmenblogs). Neben vielen Stunden Schreibarbeit investiert der Blogger Geld in seinen Server und in seine Domain. Der normale Blogger erscheint am Morgen pünktlich zur Arbeit und kann wenn er Glück hat auch pünktlich wieder nach Hause gehen. Die Zeitspanne vorher und naher hat ein Blogger Zeit seinem Hobby, dem Schreiben nachzugehen.

 

Blogger sind an nichts gebunden

Wir Blogger haben zwar einige Richtlinien, welche an Gesetzte gebunden sind, doch sonst sind wir ziemlich freigestellt und können schreiben und lassen was wir wollen. Haben wir keine Lust mehr, schliessen wir den Blog, kündigen den Server und die Domain und widmen uns mehr unserer Frau, Freundin, Familie oder sonstigen schönen Sachen.

 

Blogger wollen etwas erleben

Wer schon mal an einer Pressekonferenz war, weiss wie langweilig diese doch eigentlich sind. Ein Blogger wünscht sich da mehr Action, er möchte etwas erleben, sei es dieses Produkt zu testen, zu erfahren, wie es hergestellt oder entwickelt wurde. Einem Blogger sollte man da also etwas mehr bieten, da sich ein Blogger auch die Zeit in Form von Ferien oder Freizeit nimmt, um an Presseevents gehen zu können. Er wünscht sich also keine langweilige Präsentation mit vielen Zahlen.

 

Blogger sind bei Trinkgeld nicht undankbar

Während Medienhäuser seit Jahren grosse Kohle mit gekauften Beiträgen macht (neustes Beispiel von Watson), ist der Trend Blogger für Beiträge zu bezahlen in den letzten 2-3 Jahren enorm gestiegen. Grundlegend bieten wir also einer Firma unseren Blog für Werbung in Form eines Videos, Banner oder Beitrag an und verdienen somit ein kleines Taschengeld um uns eventuell die oben genannten Voraussetzungen für einen Blog zu finanzieren. Reich wird man damit nicht!

 

Sind wir zu Transparenz verpflichtet?

Nein, sicher nicht, doch viele Blogger halten sich an ein ungeschriebenes Gesetz, Beiträge, welche von einer Firma bezahlt wurden speziell zu kennzeichnen. Dieses Ungeschriebene Gesetzt gibt es seit Jahren auch gedruckt und als PDF für Medienhäuser. Welche Medien diesen sogenannten „Code of Conduct“ unterschrieben haben, ist hier ersichtlich.

 

Brauchen Blogger auch einen Code of Conduct?

Die Reisebloggerszene hat bereits einen solchen Kodex für ihre Sparte erarbeitet, welche beim Beitritt auf dem eigenen Blog auch ersichtlich gemacht werden darf. Meiner Meinung nach schadet es keinem Blogger einen solchen Kodex zu unterschreiben, doch müsste es dafür erst einmal einen geben.

 

Mein Code of Conduct

Nachdem dieses Manifest erarbeitet wurde, was meiner Meinung nach nicht perfekt ist, wurde mir klar das Es sicher jedem Blogger freigestellt werden sollte so einem Kodex beizutreten. Ich für meinen Teil habe für den Anfang einen eigenen Kodex erarbeitet welcher auf meinem Blog ersichtlich ist damit Firmen direkt wissen, woran sie sind und was sie in Sachen Zusammenarbeit von mir erwarten können.

 

Warum keinen gemeinsamen Kodex?

Wenn ich mir schon nur die Diskussionen um dieses Thema anschaue und feststellen muss das in vielen Punkten keine Einigung gefunden werden kann, oder sich gar Leute zu gut finden an so einem Projekt mitzuarbeiten, sehe ich schwarz für solch einen gemeinsamen Kodex, sei es jetzt für die Schweiz oder für alle deutschsprachigen Blogger.

 

Mein Code of Conduct

Auf folgender Seite ist mein Code of Conduct veröffentlicht und für jeden einsichtbar. Er darf kopiert und in veränderter Version auf der eigenen Seite veröffentlicht werden. Mir ist bewusst das mein Kodex nicht perfekt ist und auch zwischendurch angepasst werden muss, da sich auch für uns Blogger in den nächsten Jahren sicher noch einiges ändern wird.

 

Was ich mir von Journalisten wünsche

Journalisten und Blogger sind gar nicht so verschieden, vor einiger Zeit habe ich lustiger weiße Mal geschrieben „Journalisten sind einfach Blogger mit Drucker“ denn abgesehen von der Ausbildung ist unterscheiden wir uns nicht.

Nun habe ich oben den Code of Conduct für Medienhäuser erwähnt, mein Wunsch wäre, wenn die Medienhäuser sich auch daran halten würden, bevor man Blogger anfängt zu kritisieren. Ich kann mir vorstellen, dass Medienhäuser ihren Namen auch wieder von der Liste streichen können. Macht dies doch bitte solltet ihr nicht fähig sein, euch daran zu halten.

Ende

Wie am Anfang erwähnt, habe ich in einigen Diskussionen sei es Grossformat oder im stillen Kämmerlein über dieses Thema gesprochen und meine Meinung geäussert. Solange nicht alle an einem Strick ziehen, sehe ich kein Ende welches für alle einigermassen zufriedenstellend ist.

Ich danke meinen Freunden, Kollegen und den Firmen, welche mich in den letzten Tagen beraten haben oder mir einen tieferen Einblick in ihre Arbeit mit Bloggern gegeben haben, ich denke mit vielen von euch sind wir auf einem guten Weg zu Transparenz bei Bloggern. Für mich wird dieses Thema nun zu 80% beendet sein, da ich neben der Arbeit, dem Bloggen und meiner Freizeit nicht noch mehr Zeit investieren möchte, ohne ein Ziel zu sehen. Meiner Meinung nach habe ich genug getan und versucht.

 

Anmerkung

Währen ich hier die ganze Zeit von Bloggern rede, ist mir bewusst das an Presseevents von meiner Seite ge-twitter, ge-facebookt oder sonst auf einem Kanal Neuigkeiten gepusht werden. Dies ist teil meiner Bloggerarbeit und wurde deshalb nicht speziell erwähnt, gehört aber zusammen.

 

Geschrieben von Kevin

Kevin Kyburz ist Blogger, Social Media Exponent, Kolumnist, Sportsmann, Coffeejunkie, Kitchengroover und wohnt in Zürich.

Kommentare(5)
  1. Yves Moret 25. September 2014 um 8:44

    Gut gesagt. Wenn ich auf meiner eigenen Plattformen oder im Social Media Gewirr aus eigener Motivation publiziere, ist doch das nur an meine eigene Ethik gebunden, für die ich auch den Kopf hin halte. Eigener Kodex? Kann man machen und deckt sich hoffentlich auch mit der eigenen Ethik. Ohne die geht es nicht.

    Ein gemeinsamer Kodex braucht das nicht.

    Anders sieht dies bei Journalisten aus. Wenn sie auf einer Plattform die ihnen nicht gehört publizieren und dafür Geld bekommen, ist es naheliegend, dass man sich an einen „fremden“ Kodex halten muss. Geht eigentlich jedem Angestellten so.

    Ich finde die ganze Diskussion um die Blogger Relations ziemlich müssig. Das muss doch jeder für sich selber verantworten.

  2. Nicole 25. September 2014 um 9:23

    Grundsätzlich stimme ich dir ja zu und ich erachte die ganze Diskussion als unnötig.. aber die Aussage wir seien nicht zur Transparenz verpflichtet ist etwas schwierig. Ich bin natürlich kein Anwalt oder habe eine entsprechende Ausbildung, habe mich aber diesbezüglich schon mal mit einem Anwalt zu diesem Thema ausgetauscht. Das eine ist die Transparenz gegenüber den Lesern, wo jeder Blogger selber wissen muss, wie er damit umgeht. (Für mich ganz klar ein Muss btw.)

    Das andere Thema ist das Rechtliche.. und hier verfahre ich nach dem Grundsatz, dass ich offen lege, wenn der Beitrag bezahlt wurde oder ich Gegenleistungen (Bezahlung in Form von Produkten, Gutscheinen etc.) dafür bekommen habe. Einfach weil das sonst in Richtung Schleichwerbung geht und besagte Anwältin hat mich darin eigentlich auch bekräftigt. Wobei es noch keine Praxis (Gerichtsentscheide) dazu gibt. Wie siehst du das?

  3. Walter Schärer 25. September 2014 um 12:03

    Gute Statements, bin voll einverstanden.

    Was am Thema Blogger Relations unterschätzt wird: Blogger erhalten täglich Einladungen an irgendwelche Events und da sie meist ja nur hobbymässig bloggen, fehlt die Zeit, überall hinzugehen.

    Entsprechend werden die meisten Einladungen abgelehnt!

    Als organisierende Firma muss man sich also schon etwas einfallen lassen, um Blogger für den Besuch eines Events zu gewinnen. Beim Bloggeranlass von search.ch haben wir in dieses Thema vermutlich am meisten Zeit investiert: Was bieten wir alles, damit wir Tech- und Social Media Blogger zum Besuch unserer Präsentation bewegen können?

  4. Andi Heer 25. September 2014 um 14:39

    Gute Zusammenfassung, und als Journalist gebe ich Dir mehrheitlich recht. Ausser: Ich finde, dass „abgesehen von der Ausbildung“ einen riesigen Unterschied ausmacht: Ich bin auch Herzchrirurg, einfach ohne Ausbildung 😉

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Blogger Relations oder weshalb Journalisten sich nicht an ihren Kodex halten – Der Schlussstrich

von Kevin Lesezeit: 4 min