Leben und Reisen in Asien – Interview mit einem Reiseblogger

Geschrieben am Das Leben

Jeremy Kunz gehört wohl zu den bekanntesten Reiseblogger im deutschsprachigen Raum. Letztes Jahr, hat er sich dazu entschlossen seinen Job und seine Wohnung zu kündigen um sein Projekt #Asien2014 zu starten. Seit Anfang Jahr reist er nun schon durch Asien, was mir den Anlass gab ihm mal ein paar Fragen zu stellen

Hey Jeremy, nun bist du schon seit gut 4 Monaten in Asien am rumreisen, vermisst du da nicht langsam deine Heimat?

Auch im letzten Jahr bin ich überdurchschnittlich oft weg gewesen – Südafrika, 3 mal Amerika, 9 mal Europa und 2 mal Asien – von daher bin ich es mir bereits gewöhnt, ohne das schwimmen im Rhein, das Matterhorn, die Pünktlichkeit der SBB oder einfach auch nur dem Schnee zu leben. Ich vermisse die Schweiz gerade nicht besonders, aber meine Freunde durchaus immer mal wieder. Es wäre wunderbar, diese öfters sehen zu können und mit Ihnen einfach mal einen gemütlichen Abend zu verbringen.
Und wenn ich die Schweizer Natur doch mal vermisse, dann schaue ich mir meine Beiträge aus der Schweiz an oder lese den Blog von Travelita.

Du warst erst kürzlich in einem Kloster, welchen Tipp würdest du jemanden mitgeben der so etwas auch mal machen möchte?

Wenn du offen für neue Erfahrungen bist, go for it! Und nimm dir mindestens 5 Tage Zeit. Als „untrainierter“ Mensch in Sachen Meditation braucht es mindestens 5 Tage um sich an das Thema heranzuarbeiten. Zudem sollte man sich einen Tempel aussuchen, in dem die Mönche einen an das Thema Meditation heranführen und sich Zeit nehmen können, einem die Techniken beizubringen – oder als Alternative besucht man bereits vor seinem Aufenthalt einen Meditationskurs.

Vor 2 Wochen habe ich gelesen das du in einer Schule Englisch unterrichtet hast, wie war diese Erfahrung für dich?

Sehr speziell. Das Thema Volonteriat ist ja nicht unumstritten und auch ich habe meine Erfahrungen damit gemacht. So habe ich z.B. Zu Beginn meiner Reise eine Schule besucht, in der 17 „Englischlehrer auf Zeit“ gearbeitet haben – bei insgesamt 50 Lehrern. Diese Lehrer bleiben durchschnittlich 2-3 Monate und oftmals zahlen diese Volontäre mehrere tausend Franken an eine Firma, welche diese Reise dann organisiert – die Schule sieht davon so gut wie nichts. Stattdessen könnte man sich direkt mit einer Schule in Verbindung setzen, sich ein entsprechendes Visa besorgen und dann einige Monate in der Schule unterrichten. Gerade in ländlichen Gegenden wären die Schulen froh um solche Einsätze – doch wegen der fehlenden Infrastruktur kommen hier keine Volontäre hin.
Auch ich war ja einer dieser „Lehrer auf Zeit“ und bin nur kurze Zeit geblieben – zumindest war ich froh, in einer Schule helfen zu können, die es wirklich benötigt. Ich hoffe, da auch wieder zurückkehren zu können und mehr Zeit dort verbringen zu können.

Auch deine neuen Freunde aus Chiang Mai vermisst du laut Blog. Ist es schwer, sich immer an neue Leute zu gewöhnen?

Das ist vielleicht das Schwierigste an dieser Reise. Ich wechsle, wie erwähnt, regelmässig meinen Job und auch den Ort. Dadurch auch die Menschen in meinem Umfeld, an welche ich mich jeweils schnell gewöhne (und sie sich an mich) weil wir oft auch zusammenleben wie im Staff Quarter oder im Tempel. Es ist also nicht leicht, diese Leute jeweils wieder zu verlassen und zu wissen, das ich manche von Ihnen wohl nicht einfach so wiedersehen werde. Bei anderen ist klar, das wir uns wiedersehen werden.

Kanchanburi Monks

Als Agenturleiter bei einem Reisebüro hast du viele Menschen zu ihren perfekten Ferien verholfen, vor einigen Tagen hast du selber in einem Hotel mitgearbeitet. Sieht man nun das Business etwas anders?

Als Agenturleiter eines Reisebüros musste ich mich da schon das eine oder andere mal zusammenreissen, wenn jemand der 300CHF für 7 Tage All Inclusive in Ägypten sich über den Service in einem Hotel beschwert. Bei einem Flugpreis von 180-250CHF + Transfer- / Reiseleitungskosten + Reisebürogebühr kann man sich ausrechnen, wie viel Geld für das Hotel übrig bleibt. Dies dann nochmals auf den einzelnen Mitarbeiter herunterzurechnen, dafür braucht es schon einen Taschenrechner mit vielen Kommastellen hinter der 0.
Tourismus muss für mich gesund sein, sprich das lokale Angestellte fair bezahlt werden und einen Mehrwert der Massen haben, die in Ihr Land kommen. Gerade die Schweiz beschwert sich ja auch nicht zu selten, wenn Massen an Touristen aus Asien durch eine Stadt ziehen – dabei ist dies im Vergleich zu z.B. Antalya noch gar nichts. Die Leute vor Ort sollten also einen Mehrwert im Touristen sehen, der sich nicht nur auf das kaufen von Souvenirs beschränkt.

Was steht als nächstes bei dir an?

Oh, vieles. Derzeit bin ich gerade für zwei Wochen in Bangkok und verkrieche mich hier Tag für Tag in mein Büro (im Rembrandt Hotel im 22 Stockwerk mit unglaublicher Aussicht) und arbeite an meinem Blog. Es gibt noch unzählige Highlight’s auf dieser Reise. U.a. Auch ein Interview mit dem Minister für Tourismus aus Myanmar. Das Land werde ich auch während zwei Monaten erkunden. Zudem entwickelt sich die Reise laufend weiter, so das ich gar nicht mehr so sicher bin, wann ich denn wieder in der Schweiz anzutreffen bin. Sicherlich im August – wenn ich das Swiss Food Festival in Zermatt besuche 🙂

 

Welche 5 Tipps gibst du jemanden mit, der auch mal mit dem Rucksack durch Asien reisen will?

1) Die Reise gut vorbereiten, damit man während der Reise die Eindrücke in voller Pracht geniessen kann. Hier 10 Tipps, welche Reisevorbereitungen als Schweizer zu treffen sind:
http://reisewerk.ch/2014/02/reisevorbereitung-10-dinge-die-du-als-schweizer-tun-musst/
2) Sich überlegen, wofür man diese Reise machen möchte und bereit sein, diese Ziele komplett über den Haufen zu werfen um sich spontan auf Dinge einzulassen. Statt 1 Nacht 15 Nächte in einem kleinen Dorf übernachten? Ich hab’s getan und fand es super. Sei flexibel auf deiner Reise und wenn du mal einige Stunden auf den Bus warten musst: Tolle Gelegenheit ungeplant jemanden kennenzulernen 🙂

3) Einen guten Rucksack wählen! Das Ding wird viel Zeit auf deinem Rücken verbringen 🙂 Ich habe mich für eine The North Face Tasche entschieden, die als Rucksack und auch als Umhängetasche genutzt werden kann + einen kleinen Rucksack als Tagesrucksack MUSS immer mit dabei sein.

4) Lasse dich auf das Abenteuer „Welt“ ein – es ist eine der schönsten Lebensschulen die man machen kann und zudem lernt man unglaublich viele Dinge. Ich kann jetzt z.B. aus Bambus einen Besen machen 😀 Aber ich habe auf meinen Reisen auch ganz praktische Dinge wie filmen und fotografieren gelernt. Nicht zuletzt ist dies heute auch eine der Einnahmequellen die ich mir aufgebaut habe.

5) Schreibe wichtige Gedanken und schöne Momente die du erlebst auf – es wird so viel sein, das du dich am Ende einer Reise nicht an alles erinnern wirst und glücklich bist, deine Notizen nochmals durchlesen zu können.

Einer muss noch sein: 6) WENN du reisen willst: Sag nie, das du nicht reisen kannst weil… sondern überlege was verändert werden muss DAMIT DU ES KANNST! Bei mir war es die Aufgabe eines tollen Jobs in einem Reisebüro und damit eine total unsichere Zukunft. „Bewerte Deine Erfolge daran, was Du aufgeben musstest, um sie zu erzielen“. Dalai Lama.

 

Wer Jeremy nun auf seiner Reise verfolgen möchte, kann entweder seinen Blog abonnieren oder ihm auf Facebook oder Twitter folgen.

Geschrieben von Kevin

Kevin Kyburz ist Blogger, Social Media Exponent, Kolumnist, Sportsmann, Coffeejunkie, Kitchengroover und wohnt in Zürich.

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Leben und Reisen in Asien – Interview mit einem Reiseblogger

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